D&O Versicherung

Die Directors and Officers Versicherung (kurz: D&O Versicherung) ist im deutschsprachigem Raum noch nicht so verbreitet und eher bei Konzernen bekannt. Allerdings ist diese besonders auch für Führungskräfte von Klein- und Mittelständischen Unternehmen empfehlenswert. Man spricht auch von der Geschäftsführerversicherung oder Managerhaftpflicht. Ebenfalls sollte auch ein Verein für seine ehrenamtlichen Mitglieder eine D and O Versicherung abschließen.

Worum geht es? Jeder der Entscheidungen für eine Firma (oder Verein) trifft muss für Fehlentscheidungen mit seinem Privatvermögen haften. Oftmals reicht hier auch schon eine einfache Fahrlässigkeit aus. Hier erfährst du für wen eine D&O-Versicherung sinnvoll ist und auf welche Dinge du beim Abschluss achten musst.

Es gibt generell zwei Arten der D&O Versicherung. Die Unternehmens-D&O und die persönliche D&O.

Was ist eine D&O Versicherung?

Bei der D&O Versicherung handelt es sich um eine spezielle Art der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung. D&O steht hierbei für „Directors and Officers“ und bedeutet direkt übersetzt „Vorstände und Aufsichtsräte“. Es handelt sich also um Personen, die in der Firma ein Funktion als Unternehmensorgan ausführen. Alle diese Organmitglieder können im Rahmen ihrer Tätigkeit persönlich haftbar gemacht werden aufgrund einer begangenen Pflichtverletzung. Hierbei reicht meist bereits eine einfache Fahrlässigkeit aus.

Generell gilt:
Wer entscheidet haftet für Fehlentscheidungen im Zweifel mit seinem Privatvermögen.

Das gilt nicht nur für den Vorstandsvorsitzenden oder das Aufsichtsratsmitglied, sondern auch für den Geschäftsführer oder Prokuristen einer kleinen oder mittleren GmbH. Selbst bei einer Mini-GmbH oder einem Verein haften die Entscheider in unbegrenzter Höhe. Die ist im Wesentlichen im §43 GmbHG und §93 AktG geregelt. Auch haften die Organmitglieder für Fehlentscheidungen für Kollegen im Rahmen einer „gesamtschuldnerischen Haftung“ (ARAG-Garmenbeck-Urteil des BGH).

Die unbegrenzte Haftung des Geschäftsführers oder Managers kann somit schlimmstenfalls sogar zur Privatinsolvenz führen. Auch für das Unternehmen ist die D&O Versicherung obligatorisch, da dies sich hier gegen Fehlentscheidungen der Geschäftsführer absichert. Man spricht auch von der Bilanzschutzfunktion einer D&O Versicherung.

 

Warum benötige ich ein D&O Versicherung?

Es gibt eine Vielzahl an Gründen, warum Organmitglieder einer Firma oder eines Vereins eine Absicherung gegen Pflichtverletzungen haben sollten. Letztendlich geht es im die Gründe, die zu einer persönlichen Haftung führen. Hier findest du die 6 wichtigsten Punkte übersichtlich aufgelistet.

Zusammengefasst haften Entscheider…

mit ihrem Privatvermögen unbegrenzt,
Das heißt, sie haften anders als die Gesellschafter nicht nur mit ihren Einlagen, sondern mit ihrem gesamten Privatvermögen. Eine Fehlentscheidung kann somit die Existenz zerstören.

gesamtschuldnerisch,
Sie haften auch bei Pflichtverletzungen von Kollegen mit und nicht nur bei eigenem Verschulden.

im Innen- und Außenverhältnis,
Auch wenn es bei den meisten Fällen um die Innenhaftung geht, können auch externe Unternehmen wie z.B. Lieferanten, Kunden, öffentliche Institutionen oder sogar Wettbewerber Ansprüche stellen.

bei einfacher Fahrlässigkeit,
Ein grober Verstoß muss nicht vorliegen. Selbst eine kleine Unachtsamkeit kann große Folgen haben. Bereits eine einfache Fahrlässigkeit reicht aus, um die Haftung übernehmen zu müssen.

wenn Datenschutz, Compliance und Cybersicherheit missachtet werden,
Durch den neuen Rechtsrahmen der DGSVO wurde im Rahmen der europäischen Neuordnung seit 25.05.2018 und die aktuelle Rechtssprechung eine neue Haftungsfalle für Entscheider offenbart. Denn diese sind dafür verantwortlich ein entsprechendes Risikomanagement im Unternehmen für diese Themen zu installieren und zu überwachen. Letztendlich resultieren auch aufgrund der hohen Strafen erhebliche Risiken. Sanktionen von bis zu 20. Mio. EUR oder 4% des weltweiten Jahresumsatzes drohen.

und unterliegen dabei der Beweislastumkehr!
Der wichtigste Punkt bei der Haftung für Directors and Officers ist der Umstand, dass diese beweisen müssen, dass Sie die Pflichtverletzung nicht begangen haben. Hierbei muss derjenige nachweisen, dass er oder sie mit der nötigen Sorgfaltspflicht seine Tätigkeit ausgeübt hat. In der Praxis ist dies oft nur schwer möglich. Besonders erschwert wird dies, da die Führungskraft in der Regel sofort freigestellt wird und keinerlei Möglichkeit mehr hat entsprechende Dokumente zu seiner Verteidigung herauszusuchen. Insbesondere im Insolvenzfall ist dies kaum möglich.

Wir empfehlen daher jedem Geschäftsführer/Manager die D&O Versicherung als „Schutzweste“ gegenüber finanziellen Risiken.

Welche Personen benötigen Schutz einer D&O Versicherung?

  • Geschäftsführer
  • Manager
  • Vorstände
  • Aufsichtsräte
  • Prokuristen
  • Generalbevollmächtigte
  • leitende Führungskräfte, die Organfunktionen übernehmen
  • Datenschutzbeauftragter
  • Beiräte
  • Vorstände von Vereinen

 

Wie schützt die D&O Versicherung genau?

Vereinfacht gibt es bei der D&O drei Haftungsbereiche:

  1. Organisationsverschulden
    Der Geschäftsleitung obliegt es eine ordentliche Unternehmensstruktur zu schaffen mit klar definierten Aufgaben und Kompetenzen. Ebenso obliegt es der Geschäftsleitung ein funktionierendes Risiko-Management inkl. Versicherungskonzept zu installieren.
  2. Auswahlverschulden
    Geschäftsführer und Manager müssen mit äußerster Sorgfalt Auswahlentscheidungen treffen. Dies gilt sowohl für Personalentscheidungen als auch für externe Dienstleister. Ebenso betrifft dies Investitionsentscheidungen.
  3. Überwachungsverschulden
    Die Geschäftsleitung hat ebenfalls eine Kontrollfunktion. Kommt diese dieser Kontrollfunktion nicht nach oder vergisst sie Kontrollmechanismen zu etablieren können die daraus resultierenden Schäden dem Organmitglied angelastet werden. Ebenfalls gehört hier auch das Versäumen einer wichtigen Frist dazu.

Die Hauptaufgabe der D&O ist es die daraus resultierenden Haftung abzudecken (Deckung). Ebenso beinhaltet die D&O Versicherung natürlich auch die Abwehr von unberechtigten Ansprüchen. Wir kennen das aus der Haftpflicht. Man nennt dies auch „passive Rechtsschutzfunktion„. Passiv weil hierbei der Versicherer die Abwehr übernimmt und somit nicht pro-aktiv ist. Somit übernimmt die D&O auch die im Zusammenhang mit einer Pflichtverletzung stehenden Rechtsberatungskosten.

Wichtig: Die D&O Versicherung schützt also gegen berechtige und unberechtigte Ansprüche!

Innenhaftung

Die häufigsten Pflichtverletzungen werden im Rahmen der Innenhaftung geltend gemacht. Hierbei spricht man, wenn gegen Führungskräfte firmeninterne Ansprüche geltend gemacht werden. Man muss hierbei gegenüber dem eigenen Unternehmen haften! In der Regel ist dies immer der Fall, wenn durch Fehlentscheidungen finanzielle Schäden, z.B. Einbußen, beim Unternehmen entstehen.

Beispiel:
Im Rahmen der Erweiterung eines Firmengebäudes in Höhe von 4,2 Millionen Euro vergaß der Geschäftsführer die Finanzierung über öffentliche Fördermittel zu prüfen. Dies wären erheblich günstiger gewesen. Der Firma sind ist hierdurch Mehrkosten in 6stelliger Höhe entstanden. Die Firma nimmt den Geschäftsführer in die Haftung.

Außenhaftung

Anspruchsteller können aber auch von außen kommen. Dies sind meist Kunden, Lieferanten, die öffentliche Institutionen oder sogar Wettbewerber. Meist sind es jedoch Gläubiger, die im Falle einer Insolvenz ihre Ausfälle nicht mehr gegenüber dem Unternehmen geltend machen können.

Beispiel:
Das Unternehmen musste überraschend Insolvenz anmelden. Der Insolvenzverwalter prüfte daraufhin die Entscheidungen des Geschäftsführer. Dieser hatte einem langjährigen Kunden erhöhte Zahlungsziele eingeräumt ohne diese entsprechend zu prüfen oder durch eine Warenkreditversicherung abzusichern. Eine klare Pflichtverletzung.

Wissen: Claims-made-Prinzip
In der D&O Versicherung gilt wie in der Vermögensschadenhaftpflicht üblich das sogenannte Anspruchserhebungspinzip („Claims-Made“). Hierbei ist nicht entscheidend wann die Pflichtverletzung begangen wurde, sondern wann die Schadenersatzansprüche gegen den verantwortliche Führungskraft geltend gemacht wird.

Die Leistungspflicht der D&O Versicherung endet daher auch nicht mit dem Ablauf des Versicherungsvertrages, z.B. bei Betriebsaufgabe oder Ausscheiden aus dem Unternehmen, sondern im Rahmen einer Nachhaftung noch lange darüber hinaus. Die sogenannte Nachmeldefrist kann meist 5 Jahre oder auch bis zu 10 Jahren dauern. Da nach BGB die meisten Ansprüche nach GmbH-Gesetz verfallen benötigt eine normales Mitglied einer GmbH in der Regel nur eine Nachhaftung von 5 Jahren. Bei Aktiengesellschaften greift jedoch das Aktiengesetz, was eine Verjährungsfrist von 10 Jahren vorsieht.

Gute Versicherungsbedingungen enthalten daher meist eine unbegrenzte Rückwärtsdeckung und eine Nachhaftungsfrist von bis zu 12 Jahren.

 

Unternehmens-D&O oder persönliche D&O?

Der Hauptunterschied besteht darin, wer Versicherungsnehmer ist. Schließt das Unternehmen eine D&O Versicherung ab oder ist das die Person selbst. Je nach Ausgestaltung ist die eine oder andere Form sinnvoller. Meist ist auch eine Kombination am besten. Die Unterschiede sehen wie folgt aus:

Unternehmens-D&O

Das Unternehmen

  • ist Versicherungsnehmer
  • trägt die Kosten
  • i.d.R. höhere Versicherungssummen
  • bestimmt Versicherungsumfang und die Qualität
  • versichert automatisch alle Organmitglieder
  • wird attraktiv für Manager
  • ist meist wirtschaftlicher als mehrere persönliche D&O Versicherungen
  • schützt Interessen der Gesellschafter bei Fehlentscheidungen des Managements
  • kann durch „diskrete“ Handhabung bei im Rahmen der Absicherung eines Schieds- oder Schlichtungsverfahrens außerhalb ohne Öffentlichkeit schnellere Lösungen mit dem Entscheider erreichen

persönliche D&O

Der Entscheider

  • ist Versicherungsnehmer
  • trägt die Kosten (steuerlich absetzbar)
  • i.d.R. geringere Versicherungsummen nötig
  • bestimmt Versicherungsumfang
  • ist versichert
  • kann jedoch mehrere Mandate versichern
  • kann eine leistungsschwache Unternehmens-D&O ergänzen
  • ist unabhängig von Unternehmensentscheidungen
  • hat vollen Zugriff auch nach Ausscheiden
  • ist alleiniger Profiteur
  • Versicherungsschutz ist garantiert

Die letzten beiden Punkte sind insbesondere wichtig, da im Schadenfall die Versicherungssumme bereits von anderen Organmitgliedern „aufgebraucht“ worden sein kann. Außerdem kann das Unternehmen bei einer Schieflage evtl. die Unternehmens-D&O gekündigt oder nicht gezahlt haben. Dadurch wäre der Versicherungsschutz nicht mehr gewährleistet.

Hinweis: Halte den Abschluss einer D&O Versicherung vor deinem Arbeitgeber unbedingt geheim. Denn als Inhaber einer persönlichen D&O könntest du aufgrund einer entsprechenden Absicherung ein „lohnendes“ Ziel für eine Schadenersatzforderung aufgrund einer Pflichtverletzung werden.

Auch wenn die Unternehmens D&O aktuell noch weiter verbreitet ist, wird die persönliche D&O  aufgrund der Unabhängigkeit des Entscheiders immer beliebter. Wir haben der persönlichen Haftung deswegen eine eigene Rubrik unter der Unternehmervorsorge gewidmet.

Tipp:Unbedingt zu empfehlen ist auch der erweiterte Straf-Rechtsschutz
Achte neben der Auswahl einer geeigneten D&O Versicherung auch auf den Schutz des erweiterten Strafrechtsschutz (auch manchmal Spezial-Strafrechtsschutz genannt). Meist kann man dies als Baustein einfügen. Es gilt zu prüfen, ob hier ggf. Überschneidungen zu deiner Rechtsschutzversicherung vorliegen oder ob es nicht sinnvoll ist, dies im Firmen-Rechtsschutz zu integrieren.

Häufige Fragen zur D&O Versicherung (FAQ):

  • Was is der Unterschied zwischen einer D&O Versicherung und einer Vermögensschadenhaftpflicht?
    Die D&O Versicherung sichert das Verschulden von Führungsorganen gegenüber dem Unternehmen (Innenhaftung) oder Dritten (Außenhaftung) ab. Sie ist quasi die Vermögensschadenhaftpflicht der Geschäftsführer und wird daher auch häufig Geschäftsführerversicherung oder Managerhaftpflicht genannt.
    Die Vermögensschadenhaftpflicht sichert das Verschulden vom Unternehmen oder des Selbständigen/Freiberuflers gegenüber Dritten ab.
    Benötigt werden also beide Versicherungen, sofern die Risiken besteht. Die eine ersetzt nicht die andere. Es kann aber Überschneidungen geben. Der Versicherungsschutz ist auf jeden Fall genau zu prüfen.
  • Brauche ich neben der D&O den erweiterten Strafrechtsschutz?
    Beim erweiterten Strafrechtsschutz geht es um die Verteidigung gegen den Vorwurf einer Straftat. Dieser wird häufig auch „Spezial Strafrechtsschutz (SSR)“ genannt. Beim Vorwurf einer Pflichtverletzung kann es sehr schnell auch zum Vorwurf kommen, dass diese vorsätzlich, also bewusst, gemacht worden ist. Beispielsweise wirft dir die Staatsanwaltschaft vor vorsätzlich falsche Angaben in der Bilanz gemacht zu haben. Gegen diesen Vorwurf musst du dich wehren. Bei Vorsatz ist nämlich auch der D&O Versicherer nicht von der Leistung befreit.  Die Rechtsschutzversicherung (bei einem anderen Versicherer) vertritt außerdem unabhängig von der D&O Versicherung deine Interessen. Es gibt also immer unterschiedliche Anreize für Parteien. Lass dich daher von unseren konzernunabhängigen Firmenversicherung.de-Lotsen beraten.
  • Brauche ich eine D&O bei einer Einzelfirma, Personengesellschaft (OHG, KG)?
    Normalerweise sind bei solchen „einfacheren“ Gesellschaftsformen weniger Szenarien der Organhaftung denkbar. Allerdings musst du hier bei einem Fremdgeschäftsführer ebenfalls aufpassen. Meist ist jedoch die Absicherung der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung wichtiger und ausreichend. Dies gilt es immer im Einzelfall zu prüfen.
  • Was ist eine Managerhaftpflicht?
    Die Managerhaftpflicht bezeichnet die D&O Versicherung und ist nur ein anderer Begriff. Es wird in der Regel als Synonym benutzt für die D&O Versicherung für Führungskräfte.
  • Was ist eine Geschäftsführerversicherung?
    Auch unter dem Begriff Geschäftsführerversicherung ist die D&O Versicherung geläufig. Dieser wird häufig wie die Managerhaftpflicht als Begriff genutzt, um die Versicherung des Geschäftsführers gegen Pflichtverletzungen zu beschreiben.
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